Fast zwei Drittel der Wohnungen in Bratislava sind Plattenbauwohnungen. In diesen leben 80% der Stadtbevölkerung. Der gegenüber der Altstadt erbaute Stadtteil Petržalka stellt dabei mit seinen Bewohnern die größte Siedlung der gesamten Slowakei dar. Das ursprünglich als moderne und gesunde Lösung propagierte „Wohnkonzept Plattenbau“ mit dem Ziel, qualitätsvolles und zeitgerechtes Wohnen für alle Schichten zu ermöglichen, wich schnell einer billigen Schnellerrichtung von benötigten Massenquartieren. Zwar wurden die hoch verdichteten Wohngebiete der Nachkriegszeit in Bratislava von Beginn an mit großzügigen Freiflächen und Innenhöfen ausgestattet, es hat jedoch nie die finanziellen Mittel gegeben, um diese, ihrer Funktion als wichtige wohnungsnahe Freiräume entsprechend, zu gestalten. Jetzt, zu einem Zeitpunkt wo die Möglichkeit zum Erreichen einer gewissen Freiraumqualität realistischer scheint, könnte das Bestehen dieser wichtigen Flächen durch mögliche Nachverdichtung der Quartiere mit neuem Wohn- und Gewerbebau durch Investoren bedroht sein.

Ziel des Entwerfens soll sein, dieses wichtige Freiraumpotential aufzuzeigen, näher zu untersuchen und sowohl übergeordnete als auch detaillierte planerische und gestalterische Konzepte für die Realisierung einer neuen Wohnumfeldqualität zu entwickeln. Die Europäische Landschaftskonvention, die von der Slowakischen Republik unterschrieben und ratifiziert wurde, betont die zentrale Wichtigkeit der urbanen und peri-urbanen Landschaft für die Wohn- und Lebensqualität der Bevölkerung. Im Wintersemester 2006/07 wird der Fokus des Entwerfen auf die Freiräume in Petržalka gelegt. Im folgenden Sommersemester sollen die Ergebnisse in ein von der Stadtplanungsabteilung MAG Bratislava laufendes, grenzüberschreitendes INTERREG IIIA Projekt („Gärten für alle“) einfließen und unter Teilnahme der TU Wien, der TU Bratislava und der Landwirtschaftlichen Universität Nitra weiterentwickelt und auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden. Ähnliche Ziele sind im letzten Wintersemester mit dem Projekt „Novi Beograd“ in Zusammenarbeit des Institutes mit der Stadtgemeinde Neu Belgrad verfolgt worden.

Betreuung:

Richard Stiles, Katrin Hagen